{"id":99,"date":"2011-08-22T15:30:31","date_gmt":"2011-08-22T15:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/m-falaki.com\/home2\/2011\/08\/22\/die-schatten\/"},"modified":"2019-04-05T10:28:46","modified_gmt":"2019-04-05T10:28:46","slug":"die-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/m-falaki.com\/home2\/?p=99","title":{"rendered":"Die Schatten"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: x-small;\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" class=\"\" src=\"https:\/\/m-falaki.com\/home2\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/schat.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"342\" \/>Die Schatten<\/span> <\/span>Roman<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><strong>Anfang der 60er Jahre am kaspischen Meer im Norden Irans. Der Erz\u00e4hler versucht, den vor 30 Jahren auf mysteri\u00f6se Weise geschehenen Mord an seinem Onkel aufzukl\u00e4ren&#8230;.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Stil15\"><!--more--><\/p>\n<table dir=\"ltr\" style=\"width: 100%;\" border=\"0\" cellspacing=\"10\" cellpadding=\"10\" align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<div><strong>Au<\/strong><strong>s dem Persischen von Behzad Abbasi<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>Bremen, Sujet-Verlag 2003<\/div>\n<p class=\"Stil15\" align=\"left\"><strong>2. Auflage (Taschnbuch): 2004, 10 Euro<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil15\" align=\"left\">ISBN : 3- 933 995- 07- 8<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sujet-verlag.de\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Bestellung<\/span>: sujetverlag@aol.com<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><a href=\"http:\/\/www.sujet-verlag.de\/\">www.sujet-verlag.de<\/a><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><strong>Anfang der 60er Jahre am kaspischen Meer im Norden Irans. Der Erz\u00e4hler versucht, den vor 30 Jahren auf mysteri\u00f6se Weise geschehenen Mord an seinem Onkel aufzukl\u00e4ren. Durch Fotos stellt er eine geheimnisvolle innere Beziehung zu seiner Kindheit her, kommt dabei mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen Menschen, der totalit\u00e4ren Funktion der Religion, der Welt der Frauen unter patriarchalischer Gesellschaft und der ersten Liebe in Ber\u00fchrung. Er erz\u00e4hlt von der Sch\u00f6pfung einer anderen Welt, in die seine Figuren hin und wieder vor der zerm\u00fcrbenden Realit\u00e4t in eine sonst nicht existierende Fr\u00f6hlichkeit fliehen.<br \/>\nDer Roman \u201eDie Schatten\u201c erschien in der Originalfassung (persisch) im Jahre 1997 in Deutschland und hat keine Chance im Iran ver\u00f6ffentlich zu werden.<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Rezensionen:<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><strong>1. taz<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil31\" align=\"left\"><span style=\"color: #0000ff; font-size: medium;\"><strong><span class=\"Stil30\">Unvermittelt aufblitzender Ernst<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"Stil20\" align=\"left\"><strong class=\"Stil15\">CAROLA EBELING<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gleich zu Beginn seines Romans Die \u200eSchatten, den der iranische Autor Mahmood Falaki in einer persisch-\u200edeutschen Lesung im Literaturzentrum vorstellen wird, macht er die \u200eLeser zu Zeugen eines poetologischen Disputs. Der Ich-Erz\u00e4hler gibt sich \u200eals Verfasser des Romans zu erkennen, der einem verdunkelten Teil \u200eseiner Geschichte auf der Spur ist. Fotos sollen ihm helfen, die Er\u200einnerungssplitter, die er in sei\u00acner Kinder- und Jugendzeit verortet, klarer \u200ezu erkennen. Passfotos seiner selbst sind es, aufgenommen zwischen \u200edem zw\u00f6lften und 16. Lebensjahr. Seine Versuche, Kontakt zu sich selbst \u200eals Kind herzustellen, gestalten sich schwierig, insbesondere der 15-\u200eJ\u00e4hrige stellt sein Vorhaben in Frage: \u201eWas nutzt es dir, eine alte \u200eGeschichte aufzufrischen? Ich sage: Ich will die ganze Geschichte er\u200ez\u00e4hlen, die ganze, denn ich bin Schriftsteller geworden. (&#8230;) Wozu \u200ebrauchst du dann mich? Lass dir etwas einfallen! Das hilft mir, \u200eeinfacher und detaillierter zu schreiben. -Nein, damit willst du nur sagen, \u200edass du noch existiert.&#8220;\u200e Dennoch l\u00e4sst der Erz\u00e4hler sich nicht hindern, Erinnerung in einer \u200eGeschichte zu verdichten. Ausl\u00f6ser der Spurensuche ist der Mord an seinem Onkel, doch der Erz\u00e4hler taucht tief ein in seine \u200eKindheit und breitet das Leben in dem kleinen Ort am kaspischen Meer \u200eim Norden des Irans zu Beginn der 6oer Jahre aus. Falaki entwirft einen \u200eganzen Reigen skurriler Figuren, erz\u00e4hlt viele kleine Geschichten, die er \u200eflie\u00dfend verwebt. Die Verwirrtheit der Tante Sadigheh, die stumm mit \u200ekajalgeschw\u00e4rzten Augen vor dem Haus sitzt und das Wetter \u200evorhersehen kann, scheint dem kindlichen Blick so vertraut wie komisch \u200everschroben. Dass die Tante eine gro\u00dfe Schande \u00fcber die Familie \u200egebracht hat, weil sie ein uneheliches Kind gebar; dass der Patriarch der \u200eFamilie es ihr wegnahm und umbrachte und sie seither nicht mehr die ist, \u200edie sie war, erf\u00e4hrt man erst sp\u00e4ter. Alle Figuren Falakis sind Teil einer \u200egr\u00f6\u00dferen Gemeinschaft. Sie geh\u00f6ren zur Familie und sind in die \u200eDorfgemeinschaft eingebunden. Dem Autor gelingt sowohl die \u200elebendige Zeichnung dieses Miteinanders als auch die Hervorhebung der \u200eeinzelnen Charaktere. Nicht nur im Falle der Tante wird dabei die Unter\u200eworfenheit der Einzelnen unter die Gemeinschaft deutlich. Es ist eine \u200ebemerkenswerte Beil\u00e4ufigkeit, mit der sich aus eher leichtem Erz\u00e4hlton \u200eunvermittelt Ernst und Tragik einer Figur herauskristallisieren. Ohne Bewertungen \u200eskizziert Falaki die Sitten und Gebr\u00e4uche. So erf\u00e4hrt der Leser von den \u200egesellschaftlichen Hierarchien, den patriarchalischen Familienstrukturen.\u200e Dem kindlichen Blick, den der Erz\u00e4hler \u00fcber weite Strecken beibeh\u00e4lt, \u200eerscheinen auch die politischen Demonstrationen f\u00fcr den Schah komisch und absurd. Als wunderbare Groteske erz\u00e4hlt \u200eFalaki die Episode vom Stra\u00dfenbauwettbewerb, die im politischen \u200eKontext der Agrarreformen zu lesen ist. Weil ein Nachbar beginnt, die \u200eB\u00e4ume seines Grundst\u00fcckes zu f\u00e4llen, folgen ihm die anderen im Glauben, bald w\u00fcrde eine neue Stra\u00dfe ihr Dorf mit der Hauptstadtverbinden. \u200eAls die Erwartungen sich nicht erf\u00fcllen, beginnt die Suche nach einem \u200eS\u00fcndenbock, und die Groteske schl\u00e4gt um in eine Parabel \u00fcber religi\u00f6se \u200eBrandstiftung.\u200e Falaki wurde unter dem Schah zu drei Jahren Haft verurteilt. Auch unter \u200edem Mullah-Regime wurde er aufgrund seiner Schriften verfolgt, so \u200edass er 1983 nach Deutschland emigrierte. Die von ihm entworfenen \u200eBildwelten erscheinen fremdartig, doch keineswegs unzug\u00e4nglich. Das \u200eTraditionelle und manchmal Phantastische verbinden sich mit modernen \u200eErz\u00e4hlelementen. Im Komischen und Grotesken liegt eine wunderbar \u200esubtile Form des Kommentars zu den erz\u00e4hlten Geschehnissen. Auch die \u200eZweifel an der Verl\u00e4sslichkeit der Erinnerung und die Reflexionen \u00fcber \u200edas Schreiben sind \u201eklassische&#8220; Zeichen modernen, genauer: \u200epostmodernen Erz\u00e4hlens. \u00dcber weite Strecken des Romans geht diese \u200eMischung sehr gut auf. Schade, dass die \u00dcbersetzung der dichten \u200eSprache nicht immer zu folgen wei\u00df.<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil27\" align=\"left\">taz, 19 Februar 2004<\/p>\n<p class=\"Stil32\" align=\"left\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil32\" align=\"left\"><strong>2.<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff; font-size: medium;\"><strong>\u201eDie Schatten\u201c, ein Roman, der Keine Tabus kennt<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"Stil13\" align=\"left\"><strong>Peter Sch\u00fctt<\/strong><\/p>\n<p class=\"Stil25\" align=\"left\">Ein Buch, das verst\u00f6rt, befremdet und schockiert. nicht nur iranische Leser, die es nicht gewohnt sind, dass ihre Dichter so tief in die Niederungen und Abgr\u00fcnde des gew\u00f6hnlichen Lebens hinabsteigen, sondern auch die Leser der deutschen \u00dcbersetzung, die von einem Roman aus dem Orient, zumal aus Persien, immer noch einen fernen Abglanz von Tausendundeiner Nacht erwarten. Mahmood Falaki erz\u00e4hlt in \u201eDer Schatten\u201c eine sehr beklemmende Geschichte. Sein Ich- Erz\u00e4hler reist nach mehr als 30 Jahren an den Ort seiner Kindheit, ein armseliges Dorf nahe der K\u00fcste des Kaspischen Meeres, um die wie ein Albtraum auf ihm lastende Frage zu kl\u00e4ren, wer damals seinen auf mysteri\u00f6se Weise ums Leben gekommenen Onkel ermordet hat. Der Fall bleibt entgegen der Logik des Kriminalromans kriminalistisch ungekl\u00e4rt. Aber der Leser wird den Verdacht nicht los, dass der Erz\u00e4hler als pubertierender Jugendlicher auf fatale Weise in den Mord verwickelt war und seither mit einer Schuld lebt, die unerkl\u00e4rlich und unaussprechlich bleibt- im Roman kenntlich gemacht durch mehrere leere Seiten. Das Geschehen spielt w\u00e4hrend der \u201eWei\u00dfen Revolution\u201c des Schahs zu Beginn der sechziger Jahre. Mit brutaler Gewalt, mit List, aber auch mit falschen Versprechungen werden die Bauern zun\u00e4chst befreit, aber im gleichen Atemzug wieder um ihren Grund und Boden gebracht. Sie werden zu Schuldnern und Bettlern gemacht und haben keine andere Wahl, als in den Slums von Teheran unterzutauchen. Die L\u00e4ndereien werden verw\u00fcstet, die B\u00e4ume gef\u00e4llt, das Vieh verhungert und verdurstet.<\/p>\n<p class=\"Stil25\" align=\"left\">Mahmood Falaki entwirft ein wahres Pand\u00e4monium des sozialen, \u00f6kologischen und moralischen Verfalls. Aber es geht dem Erz\u00e4hler nicht darum, eine sozialkritische Reportage zu liefern. Er sucht die Schuld nicht in den Machtverh\u00e4ltnissen, sondern bei den \u201eBauernopfern\u201c selber. Von heiler Welt, Dorfidylle und friedlicher Kindheit gibt es bei ihm keine Spur. Die Dorfbewohner sind vom Aberglauben in seiner primitivsten Form beherrscht. Sie kennen kein Recht und kein Gesetz, auch nicht die islamischen Gebote der Nachbarschaftshilfe und der mitmenschlichen Solidarit\u00e4t. Gewalt und Unterdr\u00fcckung pr\u00e4gen die famili\u00e4ren und mikrosozialen Strukturen. Frauen und Kinder sind die Leidtragenden. Sie werden bei jeder Gelegenheit schikaniert, misshandelt und missbraucht. Der Heranwachstende, in den sich der Ich-Erz\u00e4hler Stufe um Stufe hineinversetzt, leidet unter den best\u00e4ndigen Dem\u00fctigungen und entwickelt eigene Gewaltphantasien, so dass der Leser es ihm am Ende zutraut, dass er selber zum K\u00fcchenmesser gegriffen hat, um seine Mutter zu r\u00e4chen und zu besch\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"Stil25\" align=\"left\">Mahmood Falaki erz\u00e4hlt seine Geschichte mit gro\u00dfem zeitlichen, kulturellen und sozialpsychologischen Abstand zu den Ereignissen. Dennoch r\u00fcckt dem Leser das Geschehen beklemmend nah. Selten hat ein zeitgen\u00f6ssischer Autor aus dem Iran so dr\u00e4ngend nach der Schuld gefragt und deutlich gemacht, dass die Leichen im Keller der Vergangenheit aufgesp\u00fcrt, verarbeitet und bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen, wenn der Weg in eine bessere Zukunft gefunden werden soll. Die pers\u00f6nliche Verstrickung des Ich- Erz\u00e4hlers wird so zum Gleichnis f\u00fcr die traumatischen Erfahrungen einer ganzen Nation. Soweit nach unten hat sich bisher kaum ein persischer Autor gewagt. Er verst\u00f6\u00dft gegen alle Doktrinen und Geschmacksregeln der zeitgen\u00f6ssischen iranischen Literatur und kennt sowohl in sprachlicher als auch stofflicher Hinsicht keine Tabus. Trotz aller Liberalisierung ist es schwer vorstellbar, dass ein solch selbstqu\u00e4lerisch nach Schuld und S\u00fchne fragendes Buch in absehbarer Zeit im Iran selbst erscheinen kann. Mahmood Falaki, der vor zwanzig Jahren aus dem Iran geflohen ist und seither in Hamburg lebt, hat seinen Roman 1997 in einem Exilverlag ver\u00f6ffentlicht. Die jetzt im Bremer Sujet- Verlag erschienene \u00dcbersetzung ist zwar sprachlich korrekt, besitzt aber wenig von der plebejischen Direktheit des Originals. Dennoch verm\u00f6gen Mahmood Falakis \u201eSchatten\u201c mit ihrer an Dostojewski erinnernden D\u00fcsternis und Schuldbesessenheit auch deutsche Leser in den Bann zu ziehen, selbst wenn sie mit den iranischen Verh\u00e4ltnissen nur wenig vertraut sind.<\/p>\n<p class=\"Stil15\"><em>Zeitschrift f\u00fcr KulturAustausch 1\/2004 <\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schatten Roman Anfang der 60er Jahre am kaspischen Meer im Norden Irans. 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